Lexikon

Mikrobiom

Zwei Kilogramm Mikroorganismen

Wussten Sie, dass Sie insgesamt rund zwei Kilogramm Mikroorganismen in sich tragen? Was auf den ersten Blick nicht gerade sympathisch klingt, ist sogar überlebenswichtig! Jede Körperfläche, die mit der Aussenwelt in Kontakt kommt, ist damit besiedelt. Der grösste Teil der Mikroorganismen lebt aber im Darm. Man schätzt, dass es sich um rund 100 Billionen, die bis zu 1000 verschiedenen Arten angehören, handelt. Wir verfügen über deutlich mehr von diesen Mikroorganismen als wir Zellen haben. Früher wurden diese für den Organismus äusserst wichtigen in Symbiose zusammenarbeitenden Bakterien, Pilze ect. Darmflora genannt, der neuere Name ist jedoch Mikrobiom (micro, griechisch klein, bio, griechisch Leben, mit der Endung –om, Lebensgemeinschaft).

Ein eigenes Organ?

Einige Wissenschaftler nennen das Mikrobiom sogar ein Organ, das verdeutlicht die Wichtigkeit der Bakterien. Das Mikrobiom eines Menschen verändert sich ein Leben lang und die Zusammensetzung ist wie der Fingerabdruck bei jedem verschieden. Menschen, die eng zusammenleben, weisen ein ähnlicheres Mikrobiom auf als Fremdpersonen. Man könnte deshalb auch sagen, dass Mikrobiom werde vererbt. Etwa 40 % der Mikroorganismen gehören tatsächlich zur Grundausstattung. Forscher konnten z.B. nachweisen, dass bei der Geburt ein Teil der Bakterien im Geburtskanal von der Mutter aufs Baby übergeht. Der Rest wird durch verschiedene Faktoren, wie die Ernährung und Lebensweise, aber auch den Kontakt mit Krankheiten usw. beeinflusst. Die Forschung am Mikrobiom ist noch relativ jung, doch es kommen laufend weitere interessante Details dazu ans Licht. So weiss man heute, dass das Mikrobiom mit vielen Körperfunktionen in wechselseitiger Beziehung steht. Am bekanntesten ist wahrscheinlich ihre Bedeutung für die Verdauung. Mikroorganismen können gewisse Bestandteile der Nahrung verwerten, die ansonsten unverdaulich wären. Also sind sie für eine gute Verdauung wichtig.

Gesunde Ernährung fördert das Mikrobiom

Zusammenhang mit dem Immunsystem

Aber auch für das Immunsystem spielt das Mikrobiom eine sehr grosse Rolle. Das sich entwickelnde Mikrobiom trägt zur Ausbildung des Immunsystems bei. Das Mikrobiom etabliert sich innerhalb der ersten Lebensjahre. Beim Kontakt mit verschiedensten Mikroorganismen wird unser adaptives (erlerntes) Immunsystem trainiert. Das adaptive Immunsystem lernt also, wie man auf Mikroben reagiert und verteidigt den Körper gegen krankheitserregende Organismen. Es dauert diese ersten Lebensjahre bis eine gewisse Stabilität und Diversität erreicht ist. Gerade in den ersten drei Lebensjahren können allerdings auch zahlreiche Umwelteinflüsse (z.B. Ernährung, Erkrankungen, Antibiotikatherapien usw.) zu manchmal bleibenden Mikrobiomverschiebungen mit Konsequenzen für die Gesundheit führen. Auch im Erwachsenenalter ist das Mikrobiom ein dynamisches System, es passt sich ständig an wechselnde Faktoren an und wird dadurch beeinflusst (z.B. Art, Menge und Zeitpunkt der täglichen Nahrung, Medikamente usw.). So kann das Mikrobiom durch angepasste Ernährung unterstützt werden, hingegen nach einer Antibiotika-Einnahme gestört sein (das Mikrobiom benötigt danach mehrere Monate, um sich wieder zu regenerieren).

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Fermentierte Nahrungsmittel enthalten viele “gute Mikroorganismen”

Darmbarriere

Das Mikrobiom ist eine der drei Stufen der sogenannten Darmbarriere. Damit schädliche Bakterien nicht in den Körper eindringen, bildet das Mikrobiom zusammen mit der Schleimhaut und dem darmassoziierten Immunsystem eine dreistufige Abwehrkette. Mit seiner enormen Oberfläche von ca. 400 m² stellt unser Darm nämlich die grösste Grenzfläche zur Aussenwelt dar. Hier findet die Aufnahme der lebenswichtigen Nährstoffe aus unserer Nahrung statt und wird erst einmal alles einer strengen Kontrolle unterzogen. Deshalb finden wir im Darm auch 80% unserer Immunzellen, die uns immer dann unterstützen, wenn es nötig wird.

Das Gehirn im Darm

Das Mikrobiom kann auch das Gehirn beeinflussen, über die sogenannte Darmhirnachse. Manche Wissenschaftler nennen es deshalb auch das «zweite Gehirn». Darm und Hirn kommunizieren über Nerven, Hormone, weisse Blutzellen und Immunsubstanzen miteinander. Kleine Moleküle, die durch die Aktivität von Darmbakterien freigesetzt werden, lösen Reaktionen der Nerven im Magen-Darm-Trakt aus. So ist z.B. bekannt, dass ein grosser Teil des Serotonins (Neurobotenstoff des Gehirns) in speziellen Zellen des Dünndarms produziert wird. Ähnlich verhält es sich mit anderen Neurobotenstoffen, im Darm werden rund 30 Botenstoffe hergestellt. Wenn die Produktion gestört ist, kann es zu Schlafproblemen, Ängsten und depressiven Verstimmungen kommen. Daraus lassen sich Verknüpfungen zwischen dem Mikrobiom und verschiedenen Hirnstörungen wie z.B. Depressionen oder AD(H)S und Autistische Spektrum-Störungen ableiten.

Schon Hippokrates sagte: „Der gesunde Darm ist die Wurzel aller Gesundheit“

Hippokrates

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